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Buch: Die Fäden ziehen

Art.Nr.:
9783981038040
10,00 EUR
inkl. 7% MwSt. zzgl. Versand

Autor: Dr.Jörg Hellmann
Hildesheimer Literaturverlag
Inhalt: 252 Seiten 
Umschlag: Hardcover

Ein Krimi und zugleich eine Gesellschaftssatire!
"Die Fäden ziehen" soll doppeldeutig sein. Zum einen geht es um Figuren, die gerne im Hintergrund "die Fäden ziehen", zum anderen markiert es auch immer einen Heilungsprozess, wenn wir bei Wunden "die Fäden ziehen" lassen. Gesellschaftssatiren spekulieren (durchweg vergeblich) darauf, derartige Heilungsprozesse in der Gesellschaft einzuleiten...

Der Krimi soll Lesespaß bieten - und nachdenklich machen.

 
"Ich will nun wirklich nicht übertreiben, aber ich finde "Die Fäden ziehen"
meisterlich. Und zwar nicht nur, weil unsere politischen Überzeugungen und Analysen bis ins Kleinste übereinstimmen, sondern vor allem weil der kriminalistische Teil von Phantasie zeugt, aus dem Rahmen des Üblichen fällt und sehr gut mit dem gesellschaftskritischen zusammen passt. Alles aus einem Guss!"

"Der Roman ist gut!!!!!!!!!!!!!!!!"

"Das Buch ist spannend, ist lustig und außerdem ein Lesegenuss. Was will man mehr!"

"Bei diesem außergewöhnlichen Krimi gibt es aber noch dazu den vorzüglich passenden Hintergund dieser, unserer Bananenrepublik. 
Man muss immer zwischen den Zeilen lesen - und ein gutes Gedächtnis haben.
Die Leichen sind jedenfalls nicht tot, weil sie die spätrömische Dekadenz hinwegraffte.....
Also gibt es nur das Eine: Lesen und weiterempfehlen!"

"Ich habe Ihr Buch mit Begeisterung gelesen, werde sie zahlreich weiterempfehlen und nahm zur Kenntnis, dass wir beide weltanschaulich in den gleichen Gehirnwindungen denken und auf dem gleichen Bein "Hurra" schreien....!"

"Irgendwann muss der Lehrer Jörg Hellmann einmal völlig die Fassung verloren haben über die politischen Zumutungen des Alltags.
Und dem muss eine lange Leidensgeschichte vorausgegangen sein.
Was bringt einen arbeits- und stressbelasteten Lehrer gegen Ende seines Berufslebens sonst dazu, sich hinzusetzen, um seiner Fassungslosigkeit in Geschichten Ausdruck zu verleihen, bücherfüllend?
Die Politik und ihre Akteure geben die Antwort, tagtäglich.
Aber soll man ihnen wirklich böse sein, wenn sie doch offensichtlich in Jörg Hellmann zur Entdeckung beeindruckender schriftstellerischer Fähigkeiten als Satiriker beigetragen haben?
Und die Folge davon sind diese köstlichen Geschichten aus seiner Feder.
Stilles Schmunzeln wechselt sich ab mit offenem Vergnügen, getragen von durchgehendem Lesespaß.
Man ist geneigt dem poltischen Geschehen Beifall zu zollen, denn sonst wären diese lesenswerten Bücher nicht entstanden..."
Anstelle eine Inhaltsübersicht der "Gehalt" des Romans in Form einer Bildinterpretation:

"Kommissar Kalter hatte endlich sein Versprechen wahr gemacht: Er war mit seiner Frau Christa nach Paris gefahren, um ihr diese wunderschöne Stadt zu zeigen.
Sie schlenderten durch die pulsierende Metropole und ließen sich einfangen von dem Flair der Grande Nation. Bei ihrem Gang zu den Sehenswürdigkeiten landeten sie schließlich im Pantheon und blieben staunend vor einem großen Gemälde stehen.
Scheiterhaufen
Plötzlich sagte Kalter zu seiner Frau:
„In diesem Gemälde ist das ganze Elend der Menschheit zusammengefasst!“ Sie sah ihn verständnislos an.
„Sieh dir die Szenerie dieser Hinrichtung einmal an“, fuhr er fort. „Da sind sie, die Prototypen der Übeltäter. Fangen wir mit dem Mann da links an, dem Soldaten, der das Holz für den Scheiterhaufen heranschafft. Der wird später, wenn man ihn zur Rechenschaft ziehen will, sagen: ,Ich hatte meine Befehle. Ich habe ja auch nur das Holz geholt‘. Das sind die willfährigen Werkzeuge in der Maschinerie der Macht. Sie machen sich auch keine Gedanken, wozu das Holz dienen soll oder wozu gefälschte Statistiken dienen. Es sind die Handlanger für diejenigen, die sich die Hände nicht schmutzig machen wollen.“
Kalter zeigte mit dem Finger nach rechts.
„Sieh dort auf der gegenüberliegenden Seite den anderen Soldaten, der mit dem Arm in Richtung Scheiterhaufen zeigt. Der gibt offensichtlich den Befehl, aber auch der wird sagen, er habe seine Weisungen gehabt. ,Ich war nur für die Errichtung des Scheiterhaufens zuständig.‘
Kalter deutete wieder auf die linke Seite des Bildes.
„Guck dir den Priester mit dem Buch in der Hand an. Der liefert die weltanschauliche Rechtfertigung. Der ist der Chefideologe, der die Ideen entwickelt, die es angeblich rechtfertigen, einen Menschen auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Sein Pendant ist der da in der Mitte.“
Kalter hob den Arm und deutete auf den Priester, der der armen Frau auf dem Scheiterhaufen Trost spenden will.
„Sein rechter Arm zeigt sicher nicht zufällig auf die Kirche im Hintergrund. Hier liefert die Kirche, die Religion, die Rechtfertigung für das mörderische Tun. Die vermeintlich großen Ideen nehmen allen Beteiligten das schlechte Gewissen. Die gläubigen Eiferer, die sich immer auf der richtigen Seite wähnen; und die zu jeder Grausamkeit bereit sind, weil sie im Dienste einer angeblich höheren Idee steht. Und diese Fanatiker werden immer sagen, dass kleine Morde notwendig seien, um größeres Übel zu verhindern.“
„Genau wie die angeblich gutwilligen Demonstranten, aus deren Mitte heraus Steine auf die anderen Demonstranten geworfen werden.“
„Oder auf uns Polizisten,“ sagte Kalter lakonisch. „Aber diese Steine werden ja durch ihren Kampf gegen den Rassismus oder Faschismus oder gegen was auch immer geheiligt. Und in der Geschichte gibt es dauernd genügend Menschen, die diesen Mist auch wirklich glauben!“
Kalter zeigte auf den Menschen im Vordergrund, der die Fackel aufhob.
„Da ist der Brandstifter. Der, der aus Grausamkeit das Feuer legt. Den interessiert das Gesülze der Ideologen nicht, der will es einfach nur brennen sehen.“
Christa nahm die Faszination dieses Bildes auch immer mehr gefangen.
„Du hast Recht. Das sind die Brutalen und Perversen in der Gesellschaft, die es wohl zu allen Zeiten und in jeder Gesellschaft gegeben hat.“
Kalter fügte hinzu: „Nicht umsonst hat der Kerl auf dem Bild in der anderen Hand mit der Mistgabel noch ein Mordwerkzeug.“
Seine Frau wies auf die Menschen am Rande des Scheiterhaufens.
„Hinter dem Scheiterhaufen sieht man viele Gaffer.“
„Ja“, sagte Kalter, „das ist gewissermaßen die öffentliche Meinung. Da stehen die, die nur glotzen und hämisch kommentieren. Sensationslüstern. Die wollen Blut sehen. Sie machen keinen Finger krumm, schon gar nicht zur Verteidigung. Sie haben einen abgestumpften Gerechtigkeitssinn und sind heilfroh, nicht selber da oben zu stehen. Auch die werden später sagen, ich konnte nichts dagegen tun. Ich habe nur zugesehen. Mit Abscheu, versteht sich.“
„Kann es sein, Walter, dass du bei diesem Vergleich auch die schmierige Medienmeute der Moderne im Auge hast?“
Kalter sah seine Frau an, und sie wusste nicht, ob sie das als Zustimmung werten sollte. Stattdessen zeigte er auf die Figur im Hintergrund des Bildes.
„Und da ist der eigentliche Drahtzieher dieses ganzen Geschehens. Der Kardinal mit der roten Robe. Wenn ich das richtig erkenne, ist das ein alter Mummelgreis. Hinter sich hat er die Staatsgewalt. Dieser Pate bleibt schön im Hintergrund sitzen. Der hat die Macht. Die Ideologen, die Befehlsempfänger und die Brutalos, sie sind die kleinen Rädchen in diesem Machtgefüge. Der da hinten aber, der ist der eigentlich Verantwortliche für die Hinrichtung. Der Großinquisitor. Der hat vermutlich nur eine Unterschrift geleistet.“
Kalters Frau begriff immer mehr die Zusammenhänge, auf die ihr Mann hinauswollte:
„Das sind die Paten, bei denen alle Fäden zusammenlaufen. Und auch die werden sich später rauszureden versuchen, sie hätten nur eine Unterschrift geleistet. Und sie seien doch auch Tierliebhaber.“
Kalter schüttelte resigniert den Kopf und sagte:
„Das Traurige ist, dass diese Tyrannen in den seltensten Fällen zur Rechenschaft gezogen werden.“
Kalter lenkte die Aufmerksamkeit seiner Frau wieder auf das Gemälde: „Jetzt bleibt nur noch eine Figur auf dem Bild. Das arme Opfer. Das Symbol für den kleinen Mann…“
„… oder die kleine Frau!“
„Natürlich auch die kleine Frau. Sie geraten in die Fänge dieser Machtmaschinerie und werden gnadenlos zermahlen. Wenn sie was tun, was den Mächtigen nicht passt, dann heißt es: auf den Scheiterhaufen mit euch.“ Kalter wandte sich zum Gehen.
„Deswegen sind Meinungsfreiheit und Toleranz auch so wichtig. Egal, was für einen Mist die Leute in ihren Gehirnen ausbrüten, sie müssen es sagen dürfen. Ich halte es da mit Voltaire: ,Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.‘ Menschen brauchen besonders dieses Recht. Und kein Sonderrecht. Das sollten sich auch unsere Verfassungsrichter mal hinter die Ohren schreiben!“
Kalter legte den Arm um seine Frau.
„Komm, lass uns zurück nach Deutschland fahren. Es nützt ja nichts!“



Drittes BuchAusschnitt aus der Bildzeitung
Leseprobe:

Die Fäden ziehen

Kapitel eins
Professor Heinrich Ömmel war ein Altachtundsechziger und mittlerweile 68.
Eigentlich kein Alter, aber seit seine Alte ihn betrog, fühlte er sich gealtert. Dabei war seine Ehefrau Jasmin gar nicht mal so alt, sondern erst kurz über vierzig.
Eigentlich schwärmte Professor Ömmel auch für die multikulturelle Gesellschaft und betrachtete die Dönerbuden als eine bemerkenswerte Bereicherung der abendländischen Kultur. Aber seit seine Frau Jasmin mit einem Fremdländer fremdging, war seine Freude an gegenseitiger kultureller Befruchtung etwas getrübt.
Ömmel fühlte sich einsam und verlassen. Er war allein in seiner großzügigen Villa, saß im Sessel und starrte in das Feuer des offenen Kamins. Er blickte in das unruhige Flackern der Flammen und bildete sich ein, in das Spiegelbild seiner Seele zu sehen.
Professor Heinrich Ömmels Villa lag im Nobelviertel der Stadt, oben am Waldrand, dort, wo sich die Vornehmen und die Füchse Gute Nacht sagen.
Das Haus befand sich auf einem großen Grundstück, durch Bäume fast verdeckt. Ein imposantes Gebäude mit einer Doppelgarage am Ende eines Kiesweges, der von der Straße auf das Grundstück führte. Ömmel hatte lange nach einem derartigen Altersruhesitz Ausschau gehalten. Er verachtete die Menschen und wollte sie sich weitgehend vom Leibe halten. Einzig die Nähe seiner Frau Jasmin suchte er, aber diese hielt sich leider ihn vom Leibe.
Heinrich Ömmel sah nicht zum ersten Mal sorgenvoll einem freudlosen Abend entgegen. 
Seine Frau Jasmin war vor einer halben Stunde zu ihrem Fitness-Training aufgebrochen, flott und fröhlich pfeifend. Komisch, wenn sie mit ihm zusammen war, war sie stets übellaunig und zänkisch.
Seit einem halben Jahr verabschiedete sich sein Jasminchen dreimal die Woche, pünktlich um 19 Uhr, und kam erst so gegen 23 Uhr wieder nach Hause, in bester Laune und sehr fröhlich pfeifend. 
Ömmel vermutete zu Recht, dass ihre aufgeräumte Stimmung zwar auch mit der körperlichen Ertüchtigung zusammen hing, aber mehr noch mit dem türkischen Studiobetreiber. Es gab deutliche Hinweise dafür, dass Ali Güdücür sie mit seiner sexuellen Leistungsfähigkeit beglücken würde.
Der Hausherr legte einen Holzscheit in den Kamin nach und dachte verbittert: „Dieses Flittchen. Ich habe sie aus dem horizontalen Gewerbe geholt und nun liegt sie schon wieder flach.“
Er entschloss sich, eine Flasche feinsten Weines aus dem Keller zu holen. Als Trost, zur Aufhellung seiner Laune. Mühsam erhob er sich aus seinem Sessel, die Gelenke machten auch nicht mehr so richtig mit. Er schlurfte durch das Kaminzimmer auf den Flur, öffnete die Tür zum Keller und lauschte treppab missmutig dem Knacken seiner Knie. Langsam hangelte er sich am Geländer die Kellertreppe hinunter.
Ömmel hatte gerade eine Sendung erlesener Rebensäfte aus dem Rheingau erhalten. Er nahm eine Flasche aus dem Regal und las auf dem Etikett: ,2008er Riesling Spätlese Johannisberger Hölle‘.
,Ein Wein aus der Hölle, das wäre für meine häusliche Hölle jetzt genau das richtige‘, murmelte er verdrießlich. 
Der Weinhändler hatte ihm eine Weinkarte mitgeschickt, in der mit vollmundigen Worten der jeweilige Tropfen beworben wurde. Ömmel suchte die Beschreibung seiner Johannisberger Hölle und las frustriert:
„Der ideale Wein, um das Leben in vollen Zügen zu genießen….“
Das traf allerdings nicht unbedingt seine gegenwärtige Gemütsverfassung!
Er legte die Flasche verärgert ins Regal zurück, entschied sich für einen „2008er Kerner Spätlese Geisenheimer Kläuserweg“ und las:
„Etwas für die Seele, den Körper; heilt zu 100 Prozent bei Melancholie, Lustlosigkeit und Knoten in der Seele. Oder einfach: Trost ohne Worte.“ 
Das war genau der Balsam, den er jetzt brauchte.
Zurück im Kaminzimmer entkorkte Ömmel die Flasche und schenkte sich ein. Ächzend ließ er sich wieder in seinen Sessel vor den Kamin fallen, trank ein paar Schluck und wartete auf die wohltuende Wirkung des Geisenheimer Kläuserweges. Vergebens."